Projektmanagement: Anordnungsbeziehungen, Randbedingungen und Annahmen (Teil 1)

von Linh am 17. Januar 2017

Projekte zu planen ist nicht einfach. Der Projektalltag ist häufig stressig und Projektmanager sind häufig so überlastet und müssen so viele Aufgaben gleichzeitig erledigen, und die Projektvorbereitung dadurch oft vernachlässigt wird. Dabei ist es besonders wichtig, dass schon beim Projektstart alle Anordnungsbeziehungen, Randbedingungen und Annahmen im Projektplan bzw. Projektauftrag festgehalten werden. Projektmanager müssen diese drei Faktoren bei der Projektplanung berücksichtigen, da sie entscheidend für eine pünktliche und erfolgreiche Projektabwicklung sind. Denn Projekte sind immer bestimmten internen und externen Faktoren und Risiken ausgesetzt. Möchten Sie ein Projekt erfolgreich abschließen, dann müssen Sie von vornherein diese Faktoren antizipieren und während der Projektdurchführung immer wieder kontrollieren.

Häufig werden Anordnungsbeziehungen, Randbedingungen und Annahmen miteinander verwechselt, deshalb werden wir in einer Beitragsserie diese drei Faktoren voneinander abgrenzen und erläutern.

Anordnungsbeziehungen

Anordnungsbeziehungen, häufig auch Abhängigkeiten genannt, beschreiben die sachlogische und zeitliche Beziehung zwischen zwei Planungselementen (Vorgänge, Aufgaben etc.). Diese Beziehung bestimmt die Reihenfolge in welcher die Vorgänge stattfinden müssen. Um einen Projekt-Zeitplan zu erstellen, muss der Projektmanager die Anordnungsbeziehungen zwischen Aufgaben und Vorgängen identifizieren.

Verbindliche und nicht-verbindliche Anordnungsbeziehungen

Dabei unterscheidet man zwischen verbindlichen und nicht-verbindlichen Anordnungsbeziehungen. Verbindliche Anordnungsbeziehungen beschreiben Vorgänge, die zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinden müssen, z.B. weil der Kunde dies verlangt oder aufgrund von gesetzlichen Regelungen. Oder auch einfach weil es keinen Sinn macht, diese Vorgänge zu einem anderen Zeitpunkt durchzuführen. Wenn Sie zum Beispiel ein Haus bauen, dann müssen Sie zuerst das Fundament legen, bevor Sie die Wände errichten können. Nicht-verbindliche Anordnungsbeziehungen sind eher Empfehlungen und die Vorgänge müssen nicht unbedingt in einer bestimmten Reihenfolge erledigt werden. Nicht-verbindliche Anordnungsbeziehungen bieten dem Projektmanager und -team mehr Flexibilität und Freiraum bei der Projektterminplanung.

Interne und externe Anordnungsbeziehungen

Man unterscheidet außerdem zwischen internen und externen Anordnungsbeziehungen. Interne Anordnungsbeziehungen bestehen zwischen zwei Vorgängen im Projekt, somit kann das Projektteam diese Anordnungsbeziehungen komplett steuern und ist nicht abhängig von externen Faktoren. Externe Anordnungsbeziehungen sind solche, die zwischen den Vorgängen im Projekt und Vorgängen außerhalb des Projektes bestehen. Das Projektteam hat keine Kontrolle über die externen Anordnungsbeziehungen, müssen diese dennoch im Projektplan berücksichtigen.

Die vier Arten der Anordnungsbeziehung

Ende-Anfang-Beziehung (Normalfolge)

Ende-Anfang-Beziehung

Diese Anordnungsbeziehung kommt am  häufigsten vor, deshalb wird sie auch Normalfolge genannt. Bei der Ende-Anfang-Beziehung beginnt die Nachfolger-Aktivität erst, wenn der Vorgänger beendet wurde. Folgendes Szenario beschreibt eine Ende-Anfang-Beziehung: Sie müssen erst den Kauf eines Grundstücks abschließen, bevor Sie mit dem Bau eines Hauses beginnen können.

Anfang-Anfang-Beziehung (Anfangsfolge)

Anfang-Anfang-Beziehung

Bei Anfang-Anfang-Beziehungen oder Anfangsfolgen, muss der Vorgänger gestartet sein, damit der Nachfolger beginnen kann. Dabei müssen Vorgänger und Nachfolger nicht unbedingt parallel anfangen, sondern der Nachfolger-Vorgang kann zu jeder Zeit nach dem Beginn des Vorgängers beginnen. Ein Beispiel für eine Anfangsfolge: Sobald Sie angefangen haben die Türen einzubauen, können Sie mit dem Einbau der Fenster beginnen.

Ende-Ende-Beziehung (Endfolge)

Ende-Ende-Beziehung

Bei einer Ende-Ende-Beziehung kann der Nachfolger-Vorgang erst beendet werden, wenn der Vorgänger beendet wurde. Nachfolger und Vorgänger müssen nicht unbedingt gleichzeitig enden, der Nachfolger kann zu einer beliebigen Zeit beginnen, solange der Vorgänger beendet wurde. Beispiel-Szenario: Sie können das Mitverhältnis für die alte Wohnung erst beenden, wenn der Bau des neuen Hauses abgeschlossen wurde.

Anfang-Ende-Beziehung (Sprungfolge)

Anfang-Ende-Beziehung

Die Anfang-Ende-Beziehung oder Sprungfolge kommt nur sehr selten in der Planung vor. Bei der Sprungfolge kann der Nachfolger nicht beendet werden, wenn der Vorgänger noch nicht begonnen wurde. Ein Beispiel-Szenario: Sie müssen erst mit der Auslieferung des Produktes begonnen haben, bevor Sie die Abrechnung abschließen können.

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