Schlechtes Projektmanagement: Teuer und schlecht für die PM-Gilde

von Tom am 8. Oktober 2008

Was hat der Begriff “Projektmanagement” mit dem Begriff “Fremdschämen” zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, aber blickt man zurück auf einige Großprojekte der deutschen Industrie der letzten Jahre, so fällt es schwer, sich nicht zu schämen für den eigenen Berufsstand des Projektmanagements. Phonoline, LKW-Maut, Airbus A380, nur einige Beispiele dafür, wie Projekte durch harte Zeiten gehen und dabei Federn lassen oder sogar ganz gegen die Wand gefahren werden.

Natürlich ist nicht zu unterschätzen, dass Projekte auch sehr viel komplexer werden, doch selten scheitern Projekte an der Technik, viel öfter scheitern sie daran, dass nicht alle Stakeholder das Schiff in die gleiche Richtung steuern wollen. Projekte scheitern aber auch daran, dass ein Fachexperte zum Projektleiter ernannt wird, schließlich kennt er sich in seiner Disziplin am besten aus, und eventuell tut man ihm dann auch noch einen Gefallen, schließlich klingt “Projektleiter” bereits nach Beförderung. Tatsächlich aber wirkt hier das Peter-Prinzip, bei dem man bis zur Inkompetenz befördert wird.

Insofern sollte man sich also nicht für die eigene Projektmanager-Gilde schämen, sondern vielmehr dafür, dass man es noch nicht geschafft hat, den Projektmanagement-Beruf als solchen zu schützen und somit die Quacksalber von den Projektleitern mit erwiesenermaßen erfolgreichen Methoden zu trennen.

Dass dies nicht nur für das Projektmanagement als Profession an sich wichtig ist, sondern auch der Allgemeinheit dient, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, wieviel Steuergelder durch suboptimal geführte Projekte im öffentlichen Bereich verschwendet werden. So führt Dr. Michael Streng von der parameta Projektberatung die Gesundheitskarte als ein weiteres Projekt an, dass mit zwei Jahren Verspätung sowie deutlich weniger Funktionen jetzt eingeführt werden soll. Seiner Meinung nach ist auch hier mangelndes Projektmanagement schuld (siehe PDF zum Download).

In den Vereinigten Staaten ist man da übrigens schon weiter: Wer ein Projekt für die Regierung durchführen will, muss zum Teil die eigene Zertifizierung nach dem PMP-Standard vorweisen, um überhaupt an der Ausschreibung teilnehmen zu können. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt, doch wer ernsthaft krank ist, geht auch nicht zu einem Quacksalber, sondern holt professionelle Hilfe.

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Tom 27. Oktober 2008 um 16:23 Uhr

Auffallend oft scheitern Projekte mit Behördenbeteiligung, ich denke nicht das eine Zertifizierung das Grundsätzliche Problem das Projektumwelten unterschiedliche Ziele haben die nicht mit dem Projektziel konform gehen abschaffen können. Hier wird einfach Politik auf dem Rücken der Zertifizierten oder nicht Zertifizierten PMs gemacht. Aber natürlich sind Zertifizierungen grundsätzlich zu begrüßen.

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